
Wie ein speziell entwickelter Chatbot Menschen mit eosinophiler Ösophagitis im Alltag unterstützen kann
Viele Menschen mit eosinophiler Ösophagitis (EoE) kennen die Situation: Die Erkrankung ist selten, spezialisierte Ansprechpartner sind nicht immer leicht erreichbar, Therapieentscheidungen sind komplex – und Fragen entstehen oft erst zuhause nach dem Arzttermin.
Seit Februar 2025 untersuchen wir im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie, wie MeetEOE – ein medizinisch geprüfter Chatbot – Menschen mit EoE unterstützen kann. Erste Zwischenergebnisse zeigen nun, wie MeetEOE genutzt wird und welchen Nutzen Teilnehmende darin sehen.
Warum wurde MeetEOE entwickelt?
Betroffene müssen sich über ihre Erkrankung gut auskennen: EoE ist eine chronische Erkrankung mit mehreren möglichen Therapiepfaden. Entscheidungen werden meist gemeinsam mit dem Behandlungsteam getroffen und müssen anschließend im Alltag umgesetzt werden. Dafür ist gutes Krankheitswissen wichtig.
MeetEOE wurde daher entwickelt als:
- jederzeit verfügbare Informationsquelle
- leitlinienorientierte Wissensbasis speziell für EoE
- Ergänzung zu ärztlichen Gesprächen (kein Ersatz)
- Unterstützung bei Fragen, die zwischen Terminen entstehen
Der Chatbot gibt bewusst keine individuellen Therapieempfehlungen, sondern vermittelt verständliche Hintergrundinformationen.
Wie wird MeetEOE genutzt?
- Die meisten Teilnehmenden greifen ein- bis dreimal pro Monat auf den Chatbot zurück
- viele Sitzungen dauern 5–20 Minuten
- ein Teil nutzt MeetEOE sogar mehrmals pro Woche
- Die meisten Sitzungen finden in den Abendstunden statt
- MeetEOE wurde an allen Wochentagen genutzt
Am häufigsten besprochenen Themen waren:
- Ernährung und Eliminationsdiäten
- Medikamenten und Anwendungen
- Grundlagenwissen zur Erkrankung
Wie wird der Chatbot bewertet?
Die bisherigen Rückmeldungen fallen insgesamt positiv aus.
Viele Teilnehmende berichten:
- die Aussagen des Chatbots werden als vertrauenswürdig und nachvollziehbar erlebt
- Der Umgang mit Datenschutz wurde positiv bewertet
- MeetEOE hilft dabei, die Erkrankung besser zu verstehen
- Sie würden MeetEOE weiter empfehlen und würden ihn gerne weiter nutzen
Die Benutzerfreundlichkeit (Usability) erreichte einen Wert von 73,2 ± 15,2 Punkten auf einer Skala von 0 bis 100 – ein gutes Ergebnis.
Kann ein Chatbot Arztgespräche und Ernährungsberatungen ersetzen?ichtig zu wissen:
Die Teilnehmenden wünschen sich künstliche Intelligenz vor allem als Unterstützung und Ergänzung vorhandener Strukturen. Die Mehrheit der Befragten denkt nicht, dass ein Chatbot Arztgespräche oder Ernährungsberatungen ersetzen kann.
Erste Hinweise auf Veränderungen im Krankheitswissen
Zwischen erster und zweiter Befragung zeigen sich Hinweise auf positive Veränderungen in den Bereichen
- Wissen über EoE
- Einschätzung eigener Krankheitskompetenz
- Akzeptanz von KI
- Wahrnehmung der Erreichbarkeit von Expertinnen und Experten
- Zufriedenheit mit der Betreuung im Gesundheitssytem
Diese Ergebnisse werden derzeit weiter ausgewertet. Eine abschließende Bewertung ist erst nach Abschluss der Datenerhebung möglich.
Wie geht es mit der MeetEOE-Studie weiter?
Die Datenerhebung lief noch bis Juni 2026. Anschließend wurden die Ergebnisse vollständig ausgewertet und wissenschaftlich veröffentlicht. Eine Präsentation wurde außerdem auf der ESPGHAN-Jahrestagung 2026 in Lille gehalten.
Parallel wird geprüft, ob MeetEOE langfristig weiter angeboten werden kann und ob sich das Konzept auch auf andere chronische Erkrankungen übertragen lässt.


Kartin Schweizer
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätskinderklinik Gießen